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Gut zu wissen

London Underground: Architektur und Kunst der U-Bahn

Die London Underground ist die älteste U-Bahn der Welt. Namen wie Baker Street, Tottenham Court Road oder Canary Wharf stehen nicht nur für Stationen auf dem Weg zu einer Sehenswürdigkeit. Sie erzählen auch von Ingenieurskunst, Architektur und Gestaltung aus unterschiedlichen Epochen. Wer gelegentlich innehält, entdeckt auf Bahnsteigen und in Eingangshallen Arbeiten bedeutender Architekten und Künstler – oft mitten im ganz gewöhnlichen Reisealltag.

Die Geschichte der Underground lässt sich auch an ihren Stationen ablesen. Unterschiedliche Bauphasen brachten eigene Materialien, Formen und Vorstellungen davon hervor, wie sich Reisende durch die Stadt bewegen sollten. Manche Eingänge wirken wie kleine Stadtbauten, andere Stationen beeindrucken durch große unterirdische Räume oder markante Wandbilder. So wird das Verkehrsnetz selbst zu einem Ziel für Architektur- und Kunstinteressierte. Das Programm „Art on the Underground“ ergänzt dieses Erbe mit wechselnden künstlerischen Projekten im laufenden Betrieb.

Ein besonders einflussreicher Entwurf ist der schematische Linienplan von Harry Beck, der 1933 veröffentlicht wurde. Beck arbeitete als technischer Zeichner und stellte die Verbindungen wie ein übersichtliches Diagramm dar. Entscheidend waren die Beziehungen zwischen Linien und Umsteigestationen, nicht die maßstäbliche Entfernung an der Oberfläche. Dieses Prinzip erleichtert bis heute die Orientierung und prägte Verkehrsnetzpläne weit über London hinaus.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwarf der englische Architekt Leslie William Green zahlreiche Stationsgebäude. In wenigen Jahren entstand eine wiedererkennbare Formensprache, von der etwa Belsize Park und Russell Square erhaltene Beispiele zeigen. Charakteristisch sind die dunkelroten glasierten Fassadenfliesen, die großen Rundbogenfenster im oberen Geschoss und die Gestaltung der Innenräume mit farbigen Fliesen und Stationsnamen. Die Gebäude verbinden eine gemeinsame Handschrift mit Details, die man erst beim genaueren Hinsehen bemerkt.

Charles Holden gab weiteren Stationen eine moderne, oft geometrisch klare Gestalt. Besonders auffällig ist Southgate an der Piccadilly line: Das runde Gebäude mit seinem flachen Dach erinnert an eine gelandete fliegende Untertasse und verbindet modernistische Formen mit Anklängen an Art déco. Gants Hill, eröffnet 1947, zeigt dagegen eine eindrucksvolle unterirdische Halle, deren Gestaltung von der Architektur der Moskauer Metro beeinflusst wurde.

Baker Street gehört zu den ursprünglichen Stationen der 1863 eröffneten Londoner Untergrundbahn. Als wichtiger Umsteigepunkt wurde sie später mehrfach erweitert und umgebaut. Ihr Name führt zugleich in die Welt von Sherlock Holmes: Auf den Fliesen begegnet Ihnen das bekannte Profil des von Arthur Conan Doyle geschaffenen Detektivs. Die Restaurierungsarbeiten um 1980 machten historische Merkmale des ältesten Stationsbereichs wieder sichtbar und vermitteln einen Eindruck von der Anlage aus dem Jahr 1863, ohne die späteren Veränderungen ganz verschwinden zu lassen.

Leytonstone erinnert mit Mosaiken an Alfred Hitchcock, der aus diesem Londoner Stadtteil stammte. Zum 100. Geburtstag des Regisseurs im Jahr 1999 wurde die Greenwich Mural Workshop mit einer Reihe von Bildern zu seinem Leben und seinen Filmen beauftragt. Die Mosaiken wurden am 3. Mai 2001 enthüllt. Sie machen den Weg durch die Station zu einer kleinen Begegnung mit der Filmgeschichte.

An Tottenham Court Road lohnt sich ein Blick auf die Mosaiken von Eduardo Paolozzi. Der schottische Künstler schuf in den 1980er-Jahren farbintensive Bildwelten für die Station. Ihre Formen greifen das kulturelle Leben über der Erde auf – von den Jazzclubs in Soho bis zu den Sammlungen des British Museum. Die Arbeiten zeigen, wie Kunst auch in einem stark genutzten Verkehrsraum einen eigenen Rhythmus entwickeln kann.

Auch spätere Erweiterungen der Underground setzten auf markante Architektur. Michael Hopkins prägte Westminster, Norman Foster entwarf Canary Wharf und Richard MacCormac Southwark. Diese Stationen zeigen, wie unterschiedlich große Fahrgastströme, Tageslicht und tiefliegende Bahnsteige räumlich gestaltet werden können.

Die Station Westminster liegt unter dem ebenfalls von Hopkins entworfenen Parlamentsgebäude Portcullis House. Sichtbare Konstruktionen aus Beton und Stahl geben dem Innenraum eine fast futuristische Wirkung. Canary Wharf empfängt Reisende mit markanten gewölbten Eingängen und einer so großzügigen Halle, dass oft der Vergleich mit einer Kathedrale fällt. MacCormacs Southwark besitzt wiederum eine eigene Komposition aus Licht, Oberflächen und Geometrie; zu seinen Bezugspunkten gehörte der preußische Architekt Karl Friedrich Schinkel.